Ueberschrift


Arbeitsgemeinschaften











Pressegespräch
Tag der Zahngesundheit 2004
22. September 2004
Ludwigsburg, Restaurant Ratskeller,Barockzimmer

Statement Dr. Manfred Jooß, Vorsitzender des Ausschusses für Prophylaxe der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg

(Es gilt das gesprochene Wort)

Anrede
ich danke, dass Sie unsere Landesauftaktveranstaltung zum Tag der Zahngesundheit in Baden-Württemberg besuchen und freue mich Sie hier begrüßen zu dürfen.

Die Landesarbeitgemeinschaft Zahngesundheit repräsentiert 37 selbstständige Kreisarbeitsgemeinschaften in unserem Lande, die alle tägliche Prophylaxearbeit in Kindergärten und Schulen leisten. Zusammen mit der Individualprophylaxe in den Praxen resultiert daraus dieses hervorragende Ergebnis der Zahngesundheit in unserem Land. Das Prophylaxeforum Baden-Württemberg stellt heute beispielhaft die Arbeit in den Arbeitsgemeinschaften hier vor. Der Erfolg hat viele Väter und es ist letztlich egal, wie viele Organisationen sich diesen Erfolg auf die Fahne schreiben. Hier ist es sicher das Zusammenwirken der zahnärztlichen Kollegen, der gesetzlichen Krankenkassen und dem baden-württembergischen Sozialministerium, das der flächendeckenden Prophylaxe zum Durchbruch verholfen hat.

Wir feiern heute aber auch das Jubiläum 50 Jahre Zahngesundheitsförderung in Baden-Württemberg. Die Veränderungen unserer Arbeit und die Veränderungen der Zahnheilkunde waren in dieser Zeit gigantisch. Viele Impulse für das gesamte Bundesgebiet kamen aus Baden-Württemberg. Die ersten Jahre der Schulzahnpflege beschränkten sich hier auf Untersuchungen der Kinder, Belehrungen, mit und ohne erhobenem Zeigefinger. Das Ergebnis der Zahngesundheit veränderte sich nur wenig.

Vor 25 Jahren begann man mit gemeinsamen Zahnbürstaktionen das Wissen um die Pflege zu vertiefen. Aufklärungsstunden in Kindergärten und Schulen begleiteten die zahnärztliche Untersuchung. Heute bestimmen komplexe und abgestimmte Vorsorgeprogramme unsere Arbeit in der Gruppenprophylaxe. Nicht jede Schule oder jeder Kindergarten hat gleich viele Kariesrisikokinder. Örtliche, soziale und kulturelle Hintergründe sind zu berücksichtigen, gezielte soziokulturelle Programme sind heute das Ergebnis dieser Feinabstimmung. Der bekannte und von den Vorrednern mehrfach erwähnte Kariesrückgang sollte alle zufrieden stimmen. Was bringt hier ein Qualitätsmanagement ? So wie wir in regelmäßigen Abständen jährlich und in 5-Jahresdekaden den Kariesrückgang und unsere Arbeit dokumentieren, so lässt sich mit einem strukturierten Qualitätsmanagement mancher verworrene Knoten leichter lösen.

Strukturqualität bezieht sich auf alle sachlichen, materiellen und personellen Ausstattungen. Bildung, Ausbildung und Weiterbildung unserer Patenzahnärzte und Mitarbeiter nehmen hier einen breiten Raum ein. Die Beständigkeit unseres Personalstammes ist auch ein deutlicher Beweis der Zufriedenheit. Die verständnisvolle Zusammenarbeit aller beteiligten Institutionen ist hier sicher ebenfalls eine ideale Voraussetzung. Alle Beteiligten in der LAGZ bilden hier ein wichtiges Fundament.

Ergebnisqualität, d. h. geringer DMF-T und viele naturgesunde Zähne zu sichern, dies ist leicht dokumentierbar und prüfbar. Zur Zeit bauen wir ein Qualitätsmanagement in den Arbeitsgemeinschaften auf, um durch eine gute Prozessqualität unsere Arbeit zu optimieren. Dieses Instrument ist heute aus einem modernen Produktionsbetrieb nicht mehr wegzudenken und findet in Einrichtungen der Krankenversorgung jetzt überall Einzug. Die Arbeitsgemeinschaften werden durch Schulungen in die Lage versetzt, nach Handbüchern systematisch ihre Aufgabe zu erledigen. Die Vorgaben kommen dabei von der LAGZ wie auch von der örtlichen Arbeitsgemeinschaft. Viele lokale Besonderheiten finden so eine ausreichende Berücksichtigung. Um das Rad nicht jedes Mal neu zu erfinden geben wir von der LAGZ nur einen groben Rahmen vor.

Prophylaxe muss in der Gruppe gelernt und individuell vertieft und ausgebaut werden. Unterstützung nehmen wir von allen Gruppen und Zahlern an. Sie hat aber systematisch, fachlich orientiert und abgestimmt zu erfolgen. Ein Pferd lässt sich auch nicht vom Schwanz aufzäumen. Welche Gründe lassen die Karies aber dennoch zum Zuge kommen und verursachen bei den prophylaxeträgen und wenig motivierten Kindern und Jugendlichen Karies, Schmerzen und Kosten?

1.) Die verspätete oder nachlässige Zahnpflege ist sicher ein Grund der unweigerlich zu Karies führen muss.

2.) Die Infektion mit dem besonders kariesaktiven Streptokokkus mutans erfolgt häufig über Löffel- oder Schnullertransfer von den Eltern. Das Reinigen durch Ablecken ist letztlich eine Keimbeimpfung der kindlichen Mundhöhle. Diese Keime bleiben dann lebenslang erhalten sowie die daraus sich entwickelnde Karies.

3.) Zucker als Hauptnahrungslieferant für die stark säurebildenden Bakterien, dies ist inzwischen Allgemeinwissen. Die versteckten Zucker in vielen Fertigprodukten sind für den Konsumenten aber erst beim genauen Lesen zu erkennen. Alle Fertigtees für Kinder enthalten über 80 Prozent Zucker als Trägersubstanz. Dosengerichte, Ketchup, Senf, Fruchtzubereitungen aller Art enthalten große Mengen an Zucker.

4.) Die ausreichende Schmelzhärtung durch Fluoride erhöht den Passivschutz des Zahnes. Gerade im Wechselgebiss sollte darauf besonders geachtet werden. Die Zähne brechen nicht vollständig mineralisiert in die Mundhöhle. Mit fluoridhaltigen Nahrungsmitteln oder Pflegeprodukten sollte die Mineralisierung dringend unterstützt werden.

Helfen Sie uns mit, dass unser Konzept der Prävention weitere Verbreitung findet. Ihre und unsere Kinder werden es danken.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.